Viertausender der Alpen

The Fourthousanders of the Alps
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  Pollux (4091 m)  
  Valais Alps  
Photo © 4000er.de
First Climbed 1.8.1864
Peter Taugwalder, Jules Jacot, Josef-Marie Perren
more details
GPS-Coordinate 7.7854° ö.L. /45.9276° n.B. (WGS84) more details
Standard Route(s) South-West ridge  
Difficulty AD-, III
Starting Point Klein Matterhorn (3820 m)
Zermatt (1610 m)
Guide Book(s) Hochtouren im Wallis  
Hermann Biner

Walliser Alpen  
Michael Waeber

Guide du Valais  
Hermann Biner

Valais Alps East  
Lindsay Griffin
 
Map(s) SLK 5006
Composite Matterhorn-Mischabel
National Map of Switzerland, 1:50000

SLK 1348
Zermatt
National Map of Switzerland, 1:25000
User comments Alpinclub Alzenau 1986 e.V.: Hochtour 2016 (11.08.-20.08.2016)
ascent description

Dieses Jahr,2016, stand für drei Mitglieder unseres Alpinclub Alzenau eine besonders große Herausforderung an. Für Torsten Puschmann(49) aus Alzenau und Sebastian Sedlmeier(18) aus Karlstein war das große Ziel das Matterhorn, später mit Daniel Rothenbücher(24) aus Aschaffenburg zusammen der Dent de Géant.

Hier das Tagebuch unserer bisher anspruchvollsten, längsten, aber auch schönsten Tour.

Donnerstag, 11.08.
Schon seit Wochen kribbelt es mir in den Fingern. So früh wie nur möglich von der Arbeit zurück gefahren, noch schnell einen Snack reigehauen, geht's zusammen mit Torsten auch schon los in Richtung Pass. Wir hoffen, noch vor Mitternacht auf dem Gr. Skt. Bernhard (2.469m) zu sein. Wir schaffen es: Vier Minuten vor 24Uhr. Schnell das Auto umräumen, hinten Schlafsack ausgelegt, ein Rucksack als Kopfkissen und dann ab in die Heia.

Freitag, 12.08.
Ausgeschlafen erwartet uns bestes Wetter, der kalte Winde vom Vorabend hat sich gelegt. In aller Ruhe nehmen wir unser Frühstück ein. Dann geht es los, hoch auf den Grat für die erste kleine Akklinatisationsrunde. Das Gewöhnen an die Höhe ist wichtig.
Das erste Etappenziel ist eine Schulter mit Aussichtspunkt in Form einer verfallenen Seilbahnstation. Von hier aus ein grandioses Panorama, unter anderem einer der leichtesten 4.000er, der Grand Paradiso, in der Ferne.
Dann geht's hinauf in den Grat. Viel leichte Blockkletterei. Erster Gipfel ist die Grand Chenalette (2.890m), danach die Pointe de Drone (2.950m). Von dort aus, eine bombastische Aussicht auf die Riesen des Mont Blanc-Massives und dessen mächtige Ostwand. Auf dem Abstieg kamen wir erst einer Gruppe Steinböcke sehr nahe, dann genehmigten wir uns noch einen Abstecher über die ersten Schneefelder in einen paradisischen Hochtalkessel. Zunächst keine Spuren von Menschen, mussten wir uns das Idyll später noch mit ein paar wenigen Wanderen aus dem Tal teilen. Kurze Zeit danach mussten wir uns bereits wieder auf den Rückweg zum Auto machen. Dort angekommen gab es ein Stück Wurst auf die Hand, Botten aus, Auto umgepackt, und ab ging es nach Breuil-Cervinia. Dort konnten wir während des Abendessens breits einen kurzen, verlockenden Blick auf das Matterhorn und den Weg dorthin erhaschen. Schnell besprachen wir noch die kommende Akklimatisationsrunde.

Samstag, 13.08.
Kurz nach Sonnenaufgang machten wir uns auf in Richtung Biwak. Ab der oberen Seilbahnstation mussten wir uns, zum Glück noch im Schatten, aber bereits jenseits der 3.000m durch das Sommerskigebiet von Breuil kämpfen. Danach, bei bestem Wetter, schleppten wir unser Gepäck über eine Hochebene und vor allem Eiswüste dem Tagesziel entgegen. Entlang des Breithorngrates, an dessen vorderen zwei Gipfeln sich die Bergtouristen mit Führern zu einer schieren Ameisenstraße verbanden. Herrlich dort oben auf dem Gletscher.
Viel früher als gedacht erreichten wir das Bivacco Rossi (3.750m) inmitten einer Felswand. Von dort aus ging es mit leichtem Gepäck nochmal schnell den Roccia Nera (4.075m) hinauf. Der erste 4.000er der Tour war erklommen. Oben Gipfelfoto mit den neuen T-Shirts der Jugendgruppe, die wir extra zu diesem Zweck hochgetragen hatten. Während Torsten totmüde auf das Matratzenlager fiel, hatte ich durch die Überanstrengung mit heftiger Übelkeit zu kämpfen. Doch später nahmen wir doch noch eine heiße, fettige Nudelsuppe zu uns.
An Schlaf war in der Nacht wenig zu denken. Zum einen aufgrund der Höhe, zum anderen sorgten weitere Bergsteiger für ein lautes Schnarchkonzert. Augen und durch.

Sonntag, 14.08.
Früh mit dem Sonnenaufgang erwachten wir in alter Frische. Die Westflanken von Castor und Pollux befanden sich noch im Schatten. Zügig machten Torsten und ich uns an den Abstieg durch die Wand auf den Gletscher hinunter. Von dort aus querten wir zum Castor hinüber. Dort erwartete uns ein gewaltiger, langwieriger Firnhang, der 30m unter der Nordwestschulter in einem breiten Bergschrund endete. Steigeisen an, Pickel in die Hand. Auf dem Weg dorthin überholten wir früher gestartete Seilschaften, bis der Aufstieg am Bergschrund zum Stillstand kam. Der Kunde eines Berführers hing fest, sodass es nur der langsam voran ging. Kurze Pause. Dann stiegen wir auch schon weiter. Oben am Grat durchschien die Sonne die Wechte, sodass sich dort entlang ein leuchtendes Band bildete, vor uns der Bergschrund und extrem steile, letzte Höhenmeter. Einfach großartig. Sicher überstiegen wir diese Gletschspalte und arbeiteten uns mit Steigeisen und Pickel auf den Firngrat hinauf. Von dort aus war der Gipfel bereits zum greifen Nahe. In einem schönen Bogen führte der Grat uns zum Castor (4.228m) hinauf. Angekommen. Die Aussicht, unglaublich. Direkt neben uns der Lyskamm und der Pollux, unter uns eine gewaltige Eiswüste, der Breithorngrat, weiter weg das Matterhorn und ganz in der Ferne der Mont Blanc. Nach einer ausgedehnten Pause des Genusses in der prallen Sonne retteten wir uns wieder in die schattige Flanke hinein und machten uns auf den Gletscherabstieg in Richtung Biwak. Der Gegenanstieg ist zum Schluss hin extrem Steil, dann geht er in die Wand über.
Am Biwak, Stiefel aus, füllten wir die Energiespeicher wieder auf.
Da das Wetter am Abend schlechter zu werden drohte, entschied ich mich, bereits nach nur kurzer Pause, meine erste Solobesteigung in Angriff zu nehmen. Ausgestattet mit dem nötigen Material ging's wieder runter auf den Gletscher und direkt zum Fuß des Pollux. Dort erwartete mich eine Eisrinne als erste Herausforderung. Die musste vollständig durchstiegen werden, um auf den Grat zu kommen. Dort galt es Blockkletterei bis in den II. Grad zu bewältigen, um zur Schlüsselstelle 60m unterhalb der Madonnastatue zu gelangen. Inzwischen waren bereits Wolken aufgezogen und als es auch noch zu Schneien begann machte ich mir Gedanken über eine Umkehr. Allerdings boten die sonstigen Umstände keinen Grund zur Sorge und so kurz vor dem Ziel...? Sicher wurde die Schlüsselstelle überwunden und ich stand auf der Westschulter. Steigeisen wieder an, dann die letzten Meter zum Gipfel. Ich musste jedoch feststellen, dass eine gewaltige Wolkenwand auf mich zurollte. Also nahm ich die Beine in die Hand. Angekommen auf dem Pollux (4.069m) zügig Beweisfotos geschossen, dann wieder ab zum Grat, denn in den Wolken grollte es. Eisen weg, ab in die Schlüsselstelle. Eigentlich ein Kamin, aber dennoch sehr ausgesetzt. Am unteren Ende befindet sich eine Querung aus schmalen Felsbändern hoch über dem Abgrund. Die Wolken wurden dichter und erschwerten die Orientierung. Ranhalten war angesagt und nach 1 1/2 Stunden kam ich über eine niedere Rinne wieder auf den Gletscher. Abermals das Biwak durch die Wand erklommen, gab es dort oben wieder heiße Nudelsuppe mit Schmelzwasser vom Gletscher.
Zufrieden krochen wir am Abend in die Kojen, doch schlafen konnten wir auch dieses Mal nicht: Draußen wütete ein Gewitter, Eis-, Schnee-, und Gerölllawinen waren zu hören. Immer wieder wurde das Biwak trotz der kleinen Fenster taghell erleuchtet. Aberteuerlich.

Montag, 15.08.
Heute stand der Abstieg nach Breuil zurück auf dem Programm. Über die Nacht hatte es geschneit, sodass wir in herrlichster Umgebung, am Breithorngrat vorbei, uns den Weg durch die frische Schneedecke spurten. Der Firn glänzte in der nun wieder bei strahlend blauem Himmel lachenden Sonne. Unter den Hängen der beiden höchsten Breithorngipfel stellten wir unsere Rucksäcke ab und machten uns in Vereins-T-Shirt nocheinmal auf den Weg. In der Ferne war schon zu sehen, wie zahllose Bergtouristen von der Seilbahstation Plateau Rosa dem Breithorn West entgegen strömten. Für somanchen mag dieser sehr, sehr leichte Gipfel eine echte Welterfahrung sein, nicht zuletzt aufgrund des unglaublichen Panoramas. Also, erster Gipfel, der direkt erklommen wurde war die Breithorn Zentrale (4.159m). Von dort aus konnten wir nach Norden bis in die Mischabelgruppe blicken und den Nadelgrat, wo wir uns im Vorjahr erfolgreich versucht hatten. Im Osten Alphubel, Strahlhorn, Lyskamm und die Monte Rosa-Gruppe, davor Pollux und Castor. Im Süden Fernblick bis zu Grand Paradiso. Westlich der Gipfel unseres Begehrens, das Matterhorn. Davor imposant in weiß das Breithorn West (4.165m). Dorthin machten wir uns nach dem Gipfelfoto auf. Aufpassen, nicht auf die Wechten zu treten, durch den Sattel hinauf, Gipfelfoto, flugs war die Überschreitung gemacht. Auf, runter zu den Rucksäcken. Das Trinken war eine Wohltat. Es folgte der Abstieg nach Breuil.
Im Tal trockneten wir unsere Schuhe und Klamotten, aßen und packten für die kommenden drei Tage. Sechs Kilogramm alleine an Trinken. An die Klettergurte, Klemmkeile, Bandschlingen, Expressen, Sicherungsgeräte. Dazu Seil, Pickel, Steigeisen und warme Klamotten. Sorgfältig wurde alles mehrmals kontrolliert, dann machten wir es uns wieder hinten im Auto bequem. Die Ruhe tat mehr als gut.

Dienstag, 16.08.
Wettervorhersage für den Tag mäßig, Mittwoch hervorragend, Donnerstag erst ab Nachmittag Regen.
Punkt sieben Uhr gönnten wir uns die Seilbahnfahrt bis Plan Maison, anstatt direkt in endlosen Serpentinen zum Rifugio Abruzzi aufzusteigen. Unser Weg war zwar viel weiter, allerdings weniger Höhenmeter und interessanter. Schwer bepackt steuerten wir durch den Talkessel in alter Moräne. Unterwegs mussten kleine, aber reißende Schmelzwasserbäche ohne Brücke überquert werden. Ein reinster Abenteuerspielplatz. Dann kam auch schon das Rifugio Abruzzi (2.802m) in Sicht. Von dort ging es ohne Rast in Richtung Tête du Lion hinauf. Erst leichte Kraxelei, dann, ab hier Helm auf, eine Scharte zum frei klettern, weiter über Schneefelder und Geröll querten wir unterhalb des brüchigen Gipfels durch mehrere Eisscharten zu Col du Lion. Dort legten wir die Klettergurte an. Rechts eine endlos lange, steile Scharte, links ging es weit über 800m senkrecht abwärts und es war ein Ausblick in die mächtige Norwestwand des Liongrates möglich. Nun denn, den Weg hatten wir gut gefunden und unterwegs versicherten uns absteigende Kameraden beste Gipfelverhältnisse. Unter höchster Anstrengung nahmen wir die ausgesetzten Platten an den letzten Türmen vor der Hütte in Angriff, die Schlüsselstelle des Hüttenzustieges. Nach einem 25m hohen Kamin ging es noch kurz über blanken Fels, dann waren wir auf der Carrelhütte (3.828m). Hier herrscht Selbstversorgung. Der Unterschied zum Biwak ist, dass es eine einfache, aber explizite Kochgelegenheit gibt. Wenn das Gas funktioniert.
Ein paar Fotos, Futter und aus den Rucksäcken aussortiert, was irgendwie nur möglich war. Dann war Schlafenszeit angesagt, oder zumindest dösen.

Mittwoch & Donnerstag, 17.+18.08.
Früh am Morgen mussten wir aus den Federn, 01:30. Torsten und ich wollten die Ersten am Grat sein. Eine halbe Stunde später standen wir vor der ersten besonders schweren Stelle, ein Überhang am ersten Turm hinter der Hütte. Danach ließ sich der Weg auch im Verlauf gut finden, obwohl die Navigation am Matterhorn, gerade Liongrat, als sehr schwierig gilt. Unser Vorteil war, dass Torsten den Grat bis zum Pic Tyndall bereits aus drei vorhergehenden Versuchen kennt. Abwechselnd stiegen wir zügig vorran. Dennoch überholten uns bald Bergführer mit Kunden, nicht zuletzt, weil sie auf Sicherung größtenteils verzichteten. Kurz bevor wir aus der Wand schließlich auf den Grat selbst stiegen, ging die Sonne auf. Der Himmel über (und teilweise auch schon unter uns :D ) sah bereits nicht mehr ganz optimal aus. Oben erwartete uns heftiger, eisiger Wind. Nun musste mit Steigeisen weitergeklettert werden. Die Bedingungen wurden schlechter. Der Fels war vereist, durch die Sonne taute das Eis oben, teilweise auch zum Fels hin, sodass diese Platten leicht wegbrachen. Zwar waren es nur geringe Mengen, aber immer wieder regnete es Eis von oben. Die Hände froren bereits, als wir uns an die Überschreitung des Pic Tyndall (4.241m) machten. Von hier ging es hinunter in die erste von mehreren Scharten, dann die erste Zinne hinauf, wieder runter in die nächste Scharte, wieder die nächste Zinne hinauf und einige Male so weiter. Da wir auch hier durchgehend sicherten, verloren wir hier viel Zeit. Dann standen wir zu Füßen des gewaltigen Gipfelturmes des Matterhorns. Viele Seilschaften waren nicht bis hierher gekommen, und Torsten so weit, wie noch nie zuvor. Obwohl wir 14 Uhr hatten, die eigentlich zur Umkehr ausgemachte Zeit, entschieden wir uns beide dafür, weiterzugehen. Zwar an den Händen etwas durchgefroren, waren wir in guter Verfassung. Die richtige Route fanden wir mittlerweile fast instinktiv, ab hier war die Tour uns beiden unbekannt. Das Wetter schien sich aber zu bessern, unter uns Wolken, darüber wurde es lichter. Uns begegneten andere Seilschaften, was zu einem schieren Eisschlagregen führte. Es wurde, berichtet, dass die letzten 150 Höhenmeter bis zum Firngrat mit Fixseilen gesichert seien, außerdem eine Strickleiter einen Überhang entschärfte. Wir machten aufgrund fortgeschrittener Zeit aus, diese zu benutzen. Allerdings mussten jedoch bald feststellen, dass vieles davon unbrauchbar war, da das Meiste von einer dicken Schicht Eis bedeckt war. Außerdem war es kräftemäßig schwer in der Höhe, sich daran überhaupt festzuhalten. Torsten entschied, das vollständige Seil zu nehmen, dafür stieg bis zum Gipfel durchgehend voran. Viele Platten und eine Querung weiter wurde das Gelände flacher und Schnee kam in Sicht. Ab und zu gaben Wolkenlücken den Blick weit über 2.000m hinunter ins Zermatttal und nach Breuil hinunter. Der Matterhorngipfel besteht aus einer italienischen und einer schweizer Seite. Dazwischen eine kleinere Kuppe mit gemeinsamem Kreuz und eine 35m tiefe Scharte. Am Kreuz machten wir die Gipfelfotos, dann runter in die Scharte und rauf auf den etwas höheren schweizer Gipfel (4.478m), den ich 15:50 als Erster erreichte. Gipfel geschafft bedeutet jedoch, auch wieder sicher wieder unten anzukommen. Nach kurzer Zeit ohne Rast, eilten wir also so gut es ging wieder durch die Scharte an die Seite des Turmes, um von dort das Abseilen zu beginnen. Anfangs hatten wir oft Schwierigkeiten, die Abseillinie zu finden, da diese oft anders verläuft als die Route hochzus. Besonders schwierig gestaltete es sich, richtig zu der Zinnenreihe an Pic Tyndall zu gelangen. Denn einmal in eine der Wände geraten, besteht kaum Hoffnung dort wieder herauszukommen. Gerade noch im Hellen erreichten wir Pic Tyndall. Dort im Windschatten die einzigste kurze gemeinsame Verschnaufpause, bei der Torsten ein paar Vorratsreserven von mir aufnahm. Inzwischen pfiff es gehörig und wir froren. Nun mussten wir wieder im Kegel unserer Stirnlampen abseilen. An manchen Fixpunkten war das teilweise bereits vorhandene Material kaum zu nutzen, weil steif- und festgefroren. An den Spitzen der Handschuhe bildeten sich Eiskappen. Immer wieder schneite oder graupelte es und scharfe Kristalle wehten uns in die Gesichter. Wir kühlten aus und es wurde schwer, konzentriert zu bleiben. Beim Abseilen durften wir weder in die Nordostwand, noch die Südwand stürzen. Dabei war der Grat nachts in den Wolken kaum zu finden. Mindestens einmal erwischte es dennoch uns beide. Nur die Steigeisen sieht man nochmal funken, dann der Einschlag. Nichts passiert, dafür wieder ordentlich wachgerüttelt :D . Und irgendwann die Erlösung: Vom ausgesetzten Grat ging es runter in die geschützere Südwestseite. Allerdings mussten wir diese Seillänge nocheinmal ungesichert wieder hochklettern, da sich unser steifes Seil nicht einholen ließ. Das Gelände wurde zwischenzeitlich leichter und unter den Wolken konnte man die Lichter des nächtlichen Breuil-Cervinia sehen. Nach ein paar Abkürzungen erreichten wir dann bald den letzten Quergang im Licht der hinter dem Plateau Rosa aufgehenden Sonne, dann noch wenige Seillängen bis zur Hütte. Sieben Uhr mogends erreichten wir diese völlig ausgebrannt.
Dort versuchten wir kurz auszuruhen. Doch weder Torstens zwei Stunden Schlaf war erholsam, noch konnte ich vor Kälte ruhen.
Halb elf begannen wir mit dem Abstieg. Nochmal routiniert, durch die wärmende Sonne bereits wieder lebendiger, seilten wir zum Col du Lion ab. Von den Eisscharten an brachten die letzten Wolken der nächsten beiden Tage nocheinmal Schneefall, doch am Rifugio Abruzzi schien wieder die Sonne. Torsten war anzumerken, das keine Willenskraft mehr übrig war und meine Füße hatten, wie sich später herausstellte, im wahrsten Sinn des Wortes Blut geleckt. Das einzige, was uns trieb war, dass im Auto Essen und Trinken wartete und Daniel zu unserem Treffpunkt am Abend etwas zum Grillen mitbrachte. Endlos zogen sich die Serpentinen in den Ort hinunter, doch nach 4 1/2 Stunden war auch das geschafft, obwohl wir beinahe an der Treppe hinauf zum Parkplatz gescheitert wären :'D . Mit viel Aua, aber glücklich erreichten wir das Auto. Rucksack runter, Botten aus und nach Auffüllen der Energiespeicher ab zu Daniel auf den Gr. Skt. Bernhard.
Seine Idee zu grillen war die größte Wohltat für Torsten und mich, besser als alles, was wir uns hätten vorstellen können. Bis kurz nach Einbruch der Dunkelheit saßen wir zusammen und unterhielten uns. Daniel berichtete, dass er uns vor dem Umschwung der Wettervorhersage auf Schneesturm am Mittwoch noch per Handy hatte warnen wollen. Dass der frische Wind die Würstchen schnell nur noch lauwarm machte, tat unserer Freude keinen Abbruch. Kaum laufen konnte ich, also kommandierten Daniel und Torsten mich ab zum nächsten eiskalten See. Es war eine Wohltat und ein großes Privileg, an einem so wundervollen Ort, die nackten Füße im kalten Wasser, nur im Schein, der immernoch am Helm befestigten Lampe zu sitzen.
Torsten und ich hätten ohneeinander die derart schwere Tour auf das Matterhorn nie geschafft. Wir sind froh die Ehre miteinander gehabt zu haben.

Freitag, 19.08.
Nach Daniels wohltuendem Abendessen und einer Nacht guten Schlafes befand sich das Matterhornduo wieder in besserer bis guter Verfassung.
Zu dritt fuhren wir nach Entréve am Fuße der Mont Blanc-Ostwand, von wo aus wir mit der Seilbahn hoch zum Rifugio Torino fuhren. Der Aufstieg musste unbedingt noch heute erfolgen, da Samstag schlechtes Wetter gemeldet war, welches bis Sonntag erschwerte Bedingungen zurücklassen würde. Da ich noch immer Probleme mit Gehen hatte, entschieden wir, dass Daniel und Torsten zu zweit den letzten Gipfel versuchen würden. Den Dent de Géant. Eine Dreierseilschaft wäre beim gesicherten Klettern ohnehin zu langsam gewesen. So machten sie sich gegen ein Uhr mittags auf, bei malerischen Bedingungen für den Gipfelsturm. Ich genoss derweil das Panorama der Hochebene und beobachtete amüsiert Touristen, die unbeholfen auf dem Gletscher umherrutschten.
Daniel und Torsten mussten zuerst den Gletscher überqueren, dann eine felsige, teilweise verschneite Rinne hinauf, dann führte der Weg via Blockkletterei über sehr loses Geröll zum Einstieg der Kletterroute. Dort ging es gut voran, bis man auf eine türkische Seilschaft traf, die offensichtlich weder über genug Können verfügte, noch ihr Sicherungsmaterial richtig einzusetzen wusste. Es erfolgte Hilfestellung bis zur nächsten Fixsicherung. Nach dieser kurzen Verzögerung erreichten die beiden zügig den Gipfel des Dent de Géant (4.013m) mit atemberaubendem Ausblick, sowohl über das Mont Blanc-Massiv und diesen selbst, als auch noch weiter in die Ferne. Auch hier wurde wieder abgeseilt. Bereits im Dunklen traf man wieder die Türken. Inzwischen kreiste dort seit einiger Zeit ein Helikopter, und Daniel und Torsten vermittelten zwischen der Seilschaft und der Besatzung, um klar zumachen, dass ein weiterer Abstieg, gerade ohne Licht lebensgefährlich war. Nur ein Ereignis, welches auch auf der Hütte zu heller Aufregung führte. Drei Tage zuvor waren am Mont Blanc mehrere Bergsteiger ums Leben gekommen. Nachdem die türkischen Partner, die kein Wort einer Fremdsprache konnten, eine Rettung durch die Bergwacht nachdrücklich ablehnten, setzten Daniel und Torsten den Abstieg zur Hütte hinunter. Weit nach 22 Uhr kam der Kegel von Daniels Lampe in Sicht. Erleichtert organisierte ich eine Abendmahlzeit und zeigte den schnellsten Weg zur Hütte. Von dort aus wurden zeitgleich zwei andere Verletzte ins Tal gebracht. Auf der Hütte war die gesamte Kameradschaft, einschließlich Bewirtung froh, dass Daniel und Torsten wohlbehalten zurückgekehrt waren. Über den Kuchen und den Käse mit Brot machten sie sich mit umso größerem Appetit her, auch wenn ihnen die Erschöpfung deutlich anzusehen war.

Samstag, 20.08.
Das Wetter war in der Tat schlecht, wie vorhergesagt. Nach dem für alle Hüttenbesucher aufgrund der Ereignisse des Vorabends extra späten Frühstück ging es für uns bei strömendem Regen hinunter ins Tal. Wir konnten es uns verzeihen, unter diesen Umständen die nahe gelegene Seilbahn zu nehmen.
Unten auf dem Parkplatz verabschiedeten wir uns wieder von Daniel, da er getrennt von uns nach hause fahren musste. Dann traten wir die Heimreise an.

Die Tour war für uns alle überaus erfolgreich. Torsten und ich konnten uns auf jeweils sieben Gipfeln behaupten. Daniels Abstecher in die Berge wurde mit einem der schönsten 4.000er der Alpen belohnt.


Berg Heil, servus!
Sebastian

provided by: Sebastian Sedlmeier
2016/11/02
Pollux SW-Grat vom Klein Matterhorn (27.8.07)
ascent description

Auf dem Castor war ich schon 1996, nun möchte ich endlich den zweiten kleineren aber auch wilderen Zwilling, den Pollux besteigen und zwar als Tagestour vom Klein Matterhorn aus. Als Begleiter nahm ich mir Gianni Mazzone, einen Zermatter Führer. Bei passablem Wetter, nahmen wir um 6:45 Uhr wir die erste Bahn und konnten gegen 7:35 Uhr dann fertig angeseilt in Richung Breithornpass starten. Zum Pollux waren nur noch zwei weitere Führerseilschaften unterwegs.


Blick vom Gr. Verragletscher von Süden auf den Pollux 4.091m

Nach auf und absteigender Gletscherquerunge (Achtung Spalten) Querung gelangt man so an den Fuß des SW-Grates. Zunächst in einfacher Kletterei (bis II-) hinauf auf die Schulter an den Einstieg zu einer großen Platte mit Kette.


Am Beginn der Querung der großen Platte

danach durch eine Verschneidung (III) mit Kette ca. 15 m hinauf und halb rechts über das steile Schlußwandl (II+), auch mit Kette zur oberen Schulter am Ende der Felsen, wo eine große Madonna steht.


Gianni in der Verschneidung



An der Madonna ca. 3.990m mit Castor

Von der Madonna sind es nur noch ca. 100 Hm über einen schönen Schneekegel bis zum Gipfel.


Ein schöner Schneegrat zieht zum Gipfel hinauf

Wir erreichten den Gipfel gegen 9:50 Uhr, also nur 2:15 h nach dem Aufbruch am Klein. Matterhorn. Die schöner Rundsicht wird nur durch ein paar Wolken beeinträchtigt. Der Abstieg zurück zur Bahn dauert durch die Gegenanstiege auf dem Gletscher in etwa genau so lange wie der Aufstieg. Von der unteren Schulter wählten wir den direkten Abstieg auf den Gletscher durch ein gut gangbares aber steiles Schnee Couloir. Zusammenfassend: Ein sehr schöner, abwechslungsreicher Gipfel.


Blick vom Gipfel (mit Markus) gegen Monte Rosa und Liskamm



Der große Zwillingsbruder - Castor

provided by: Markus Beck
2007/09/16
Südwestgrat (2007-04-08)
ascent description

Route / Schwierigkeitsgrad:

TAG 1: Bergstation Klein Matterhorn - Breithornplateau - Breithornpass - P.3831m - Querung unter den Breithornzwillingen - Biv. Rossi e Volante TAG 2: Biv. - Südsporn Roccia Nera - Roccia Nera - Breithornzwilling Ost / Gendarm - Biv. - Schwartztor - Pollux Südwestgrat - Pollux - Pollux Westflanke - Grande Ghiacciaio di Verra - P.3831 - Breithornpass - Breithornplateau - Bergstation Klein Matterhorn. Schwierigkeitsgrad: G4 (PD+) / Fels III / Firn 50°.

Verhältnisse:

Vom Schwarztor über perfekten Trittschnee durch ein Couloir (50°) auf den Südwestgrat des Pollux. Auf dem Grat klettert man danach leicht (I) bis zu einer Platte. Von da an ist alles mit Ketten gesichert: Über die Platte quert man 4-5m nach links zu einem engen Felscouloir (III). In diesem klettert man etwa 10m hoch (II), danach folgt noch eine griffige 10m hohe herrliche Wand (II+) direkt zum Ausstieg wo die Blechmadonna steht. Es ist zu empfehlen, trotz der Ketten hier zu sichern. Von der Madonna folgt dann ein schöner Firngrat über 110Hm auf den Gipfel. Den Abstieg wählten wir über die 50°-steile Westflanke: Von der Madonna quert man nach Norden bis über die Flanke und dann geht es zu Fuss direkt nach unten (momentan kein Eis und einfachster und schnellster Abstieg).

Besonderes:

Das kleine Biv. Rossi e Volante bietet eine hochgelegene gemütliche Unterkunft. Gas ist vorhanden, jedoch muss alles andere mitgebracht werden. Ein Schlafsack ist empfehlenswert da nur wenige Decken vorhanden sind. Steigeisen, Seil, 3 Expressschlingen (für den Südwestgrat) und Pickel genügen für die Tour.


Das Couloir welches auf den Südwestgrat leitet.



Platte und Einstieg ins Felscouloir am Südwestgrat.



Die 10m hohe Wand zur Madonna auf dem Südwestgrat



Auf dem Pollux (4092m).

provided by: Andrej Gerber
2007/04/11
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Photos
links hinten Felikjoch (zum Lyskamm), vorne Pollux und dahinter Castor vom Gipfel der Roccia Nera

provided by: Joachim Schreck
2015/08/24

links Pollux und rechts Castor vom Verra-Gletscher unterhalb der Roccia Nera

provided by: Joachim Schreck
2015/08/24

05/07/2011. Pollux (4092m). More photos/videos on http://www.rzeszutko.net and http://www.beyond-the-4000.com

provided by: Maciej Rzeszutko
2013/08/30

Pollux Summit - 25.07.2011

provided by: Paul Dash
2012/09/20

Auf dem Weg zum Pollux am 27.07.20 (von links: Roccia Nera, Pollux und Castor)

provided by: Andreas Boden
2010/07/29

9.Juli 2009 - Am Gipfelgrat des Pollux

provided by: Erich Wangerin
2009/11/01

Pollux und Castor

provided by: Roger Hügli
2007/08/06

Am Gipfelgrat

provided by: Roger Hügli
2007/08/06

August 7, 2004: Gianluca Rossi on the summit

provided by: Fulvio Zuanni
2006/09/17

die letzte Rinne im Abstieg

provided by: Daniel Peters
2006/09/15

im Abstieg

provided by: Daniel Peters
2006/09/15

kurz unterhalb des Gipfels

provided by: Daniel Peters
2006/09/15

im Aufstieg

provided by: Daniel Peters
2006/09/15

Pollux-Südwand

provided by: Simon Oehler
2006/09/14

SO ridge of Pollux (m.4.091). View on the Great Verra Glacier in the background.

provided by: Davide Forni
2006/03/09

Pollux (links) und Castor (rechts)

provided by: Helmut Maderbacher
2005/04/28
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